Kürzlich habe ich bei einer Kollegin einen interessanten Artikel zum Thema „Google: Von der Suchmaschine zur Antwortmaschine“ gelesen, in dem sie beschreibt, wie der mächtige Datenkrake inzwischen seine SERPs zunehmend kunterbunt mit Informationen aus (häufig eigenen) Quellen anreichert, um möglichst zu vermeiden, dass der/die Suchende allzu schnell auf fremde Angebote/Webseiten klickt, an denen die „Weltverbesserer aus Mountain View“ nicht mitverdienen können. Passende Shopping-, Bilder-, Video-Ergebnisse, eventuell die aktuelle Wetterlage, das richtige Hotel in der Nähe – ach, ja… und natürlich Wikipedia rechts oben.

Wir haben es nun also mit einer „All-in-one“-Lösung zu tun – mit mehreren Suchmaschinen in einer. Aktualisiert werden die dargestellten Inhalte praktisch permanent, da die User-Erfahrung getrackt und der Algorithmus (auch deswegen) laufend angepasst wird, während sich die Google-Analytics-Nutzer schon seit langem mit dem „Not-Provided-Feature“ konfrontiert sehen. Suchmaschinenoptimierung ist vor diesem Hintergrund eine noch komplexere Aufgabe geworden und es zeigt sich jetzt wohl einmal mehr, weshalb SEO dem Suchmaschinenmarketing zugerechnet wird, denn: Wer bei dieser Dynamik auf den Suchergebnisseiten trotzdem täglich die besten Plätze belegen möchte (oder muß), kommt an der „Bezahlwerbung“ oft nicht mehr vorbei. Google sammelt derweil schon mal weiter Daten, reibt sich die Hände und wartet auf Deine Überweisung… 8-/

Glücklicherweise gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten/Quellen, um Besucherströme und/oder Sales zu generieren. „Solange wenigstens die Hälfte aller Unique Visitors außerhalb der Suchmaschine akquiriert wird, ist das Standing der Webseite gesund“, sagt eine alte Bauernregel Pi-mal-Daumen-Regel.

Der Haken an den Suchergebnissen

Der echte Haken an den Suchergebnissen ist aber die Frage, wer hier überhaupt noch (berechtigt oder nicht) Einfluß auf die gesammelten Daten nehmen kann/soll/darf/muß. Google selbst hat bisher immer argumentiert, dass „keine eigenen Inhalte erstellt, sondern nur fremde Inhalte gesammelt und wiedergegeben“ werden. So viel zum Thema Verantwortung eines Suchmaschinenbetreibers, der allein in Deutschland einen Anteil an den Suchanfragen von deutlich über 90% hat. Schließlich wissen wir alle, dass alleine der (Ranking-)Unterschied zwischen dem dritten und dem achten Platz gelegentlich über Sieg oder Niederlage entscheiden kann und dass die Seite 2 von den meisten Menschen kaum noch wahrgenommen wird. Getreu dem Motto: „Was die Menschen nicht sehen, existiert auch nicht“ kann auf diese Art beliebig manipuliert werden, was scheinbar „wichtig“ bzw. was einfach „nicht da“ ist.

Und hinsichtlich der Inhalte ist natürlich auch online nicht „alles wahr“ was veröffentlicht wird und manches sollte erst gar nicht erscheinen bzw. wenigstens irgendwann wieder gelöscht werden. Dies sieht nun übrigens auch der Europäische Gerichtshof so und gesteht „unter gewissen Umständen“ ein „Recht auf Vergessen“ zu. Natürlich weiß beim Gerichtshof niemand, wer das wann, wie und wo umsetzen soll, aber immerhin….

Es soll nun zukünftig die eine oder andere Möglichkeit (für Europäer?) geben, sich mit Recht über den einen oder anderen Suchtreffer zu beschweren, was bei dem einen oder anderen dann auch tatsächlich zur Löschung dieses Treffers führen soll. Das hört sich nach einem mächtigen Papiertiger an und es bleibt abzuwarten, wie Googles Reaktion dazu in der Praxis aussehen wird. Selbst wenn die Suchmaschine sich sehr kooperativ zeigt und „mitspielt“, bleibt doch mehr als fraglich, was mit den eigentlichen Veröffentlichungen geschieht.

„Recht auf Vergessen“ – in Panama?

Wie soll ich denn beispielsweise mein „Recht auf Vergessen“ einem Seitenbetreiber in Panama, Russland oder Togo verdeutlichen? Wer entscheidet, was „legal gelöscht“ wird bzw. „legal online bleibt“? Was nützt es, wenn der Treffer an sich tatsächlich entfernt wurde, aber der Publisher eine verdammt starke Seite mit vielen tausend Besuchern täglich hat? Lesen dann nur noch einige hundert Menschen täglich den eigentlich zu recht aus den SERPs entfernten Beitrag, anstatt viele tausend?

Ausblick: Kann ich mir irgendwann mein „makelloses Google-Image“ userfreundlich selbst zusammenstellen und kaufen (Achtung: Geschäftsidee!)? Oder anders: Muß ich mir irgendwann „üble Nachrede“ online gefallen lassen, weil mir das Geld zum Widerspruch fehlt? Fragen über Fragen….. Aber das Google-Team könnte darauf aufbauen und nach den äußerst erfolgreichen „Google Adwords“ im Anschluß die „Google Badwords“ lancieren. Der „Badwords-Account“ zeigt dann, wie oft ein Keyword oder eine Phrase gesucht bzw. geklickt werden würde und mit einer entsprechenden Überweisung (siehe oben) verhindern wir dann zeitweilig das Schlimmste. 🙂