“Eine Blamage”, hatte sie gesagt, und diese Worte gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf. Dabei meinte sie gar nicht sein Outfit, denn der Ziegenbart und die Retro-Trainingsjacke gingen bei ihr noch durch. “Blamage” – seine Homepage war gemeint, die sie mal eben nebenbei gecheckt hatte, als er beim Tinder-Date kurz auf der Toilette verschwunden war. Ja, diese Homepage, die er vor ein paar Jahren mit Powerpoint zusammengebastelt hatte und auf die er damals doch so stolz war; wie schön alles blinkte, welche tollen Fonts er benutzt hatte und wie zuverlässig der Besucherzähler funktionierte. Seine digitale Visitenkarte sollte die Homepage sein, für ihn, den kommenden Großstadtliteraten, der natürlich auch Was-mit-Medien draufhatte. Und jetzt: “Eine Blamage”. Noch schlimmer: Sie hatte sogar recht.

Er war leicht zu googeln. Ganz oben tauchte das LinkedIn-Profil auf, danach das von Facebook und dann kam schon die Homepage, leider. Das mit der virtuellen Visitenkarte war also zwischenmenschlich nach hinten losgegangen. Vermutlich guckten sich auch potenzielle Auftraggeber seine Homepage an und winkten deshalb genervt ab. Die Zeiten ändern sich eben, und das, was Anfang der 2000er vielleicht noch als coole Homepage durchging, war anno 2017 einfach nur noch peinlich. Völlig ungeeignet für die Darstellung auf dem Smartphone, vom Design klar durch eine Allerwelts-Vorlage bestimmt und mit technischen Spielereien bestückt, die heute keinen mehr interessieren. Es musste sich also dringend eine neue Homepage zulegen.

Denn das mit der virtuellen Visitenkarte hatte sich ja nicht geändert. Wer sich im Internet darstellen möchte, braucht eine Homepage. Die wirklich individuell und authentisch zu gestalten, ist kein Zaubertrick, solange Inhalte vorhanden sind. Um aus der Masse herauszustechen, Jobs zu kriegen, Interesse zu erwecken – übrigens auch zwischenmenschlich -, all das wollte er immer noch mit seiner Homepage erreichen. Und je länger er darüber nachdachte, desto sicherer war er: Für die neue Homepage würde er sich mal einen Kostenvoranschlag von Profis besorgen. Man muss ja nicht “immer alles selber” machen.